Moritaten – Bänkelsang

 " Leute tretet näher ran, hört euch die Geschichte an.
  Wie erst kürzlich ist  gescheh`n,  könnt ihr hier im Bilde seh`n ! "

 

Sucht man nach der Bedeutung des Wortes „Moritat“ finden, sich Parallelen zu "Mordtat" oder zu dem Rotwelschwort „mores“, das so viel wie "Schrecken", "Furcht" oder "Geschrei" bedeutet.

Die Moritat hat ihren Ursprung auf Jahrmärkten des Mittelalters. Sie vereinigt Text und Bild zu einem musikalischen Vortrag.

Moritatensänger machten sich früh die Erfindung der Drehorgel zu Nutze, denn als mechanisches Spielwerk erforderte das Drehorgelspiel nicht die Beherrschung eines Musikinstrumentes.

Der Moritatensänger stand ebenerdig vor einem Schilde. Darauf war meist ein schreckliches Geschehen dargestellt. Beim Vortrag deutete er mit einem Zeigestock auf die jeweilige Szene.

Bänkelsänger hingegen standen auf einer kleinen Bank, dem sogenannten „Bänkel“.

In der alten Zeit waren die umherziehenden Moritatensänger gleichzeitig Nachrichtenübermittler, Neuigkeitenübermittler und Unterhalter. Es erklangen schauerliche, absonderliche, unglaubliche oder zutiefst zu Herzen gehende Geschichten. Beliebt waren Schreckenstaten von Räubern, Mördern und Giftmischerinnen und die Schilderung von Schuld und Sühne; ebenso ergreifende Geschichten armer, verführter und danach verlassener Mädchen, die aus Liebeskummer in den Tod gingen. Neben Information und Unterhaltung hatte die Moritat immer eine „Moral von der Geschicht“ . Mit der Zeit verfeinerte sich der Moritatengesang, in dem man bekannte Volkslieder, zeitgemäße Kompositionen bekannter Musiker und Operettenmelodien für Moritaten verwendete. Manche dieser Lieder waren bald in aller Munde und wurden zu regelrechten Gassenhauern. Moritaten erfüllten die Funktion von Unterhaltung für das einfache Volk und waren bald in den Küchen zu Hause. Die Lieder von Liebe, Lust, Laster und Leid, bei denen nicht selten heiße Tränenströme flossen schafften Illusionen, Träume von Gut und Böse, von Glück und Unglück und wurden zur besseren Bewältigung des Alltags gebraucht.

 Gönnen sie sich den Luxus, einmal zu verweilen, um Drehorgelspielern und Moritatensängern zu Lauschen.

Nostalgie für Leute von Heute !